Sexualität und Internet

Begleitende Informationen zum Vortrag:
Eichenberg, C. (2004). Sexualität und Internet. pro familia Fachtagung "pro familia virtuell -Online-Dienstleistungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte". 23. Januar 2004, 10.40-11.30 Uhr, Kassel.

Abstract:

In der Auseinandersetzung mit sexuellen Internetaktivitäten war sowohl der fachliche als auch der öffentliche Diskurs lange Zeit stark polarisiert: Pauschal-alarmierenden Annahmen, die dem Internet pathologische und kriminelle Implikationen zuschrieben, standen undifferenziert-beschwichtigende Stimmen gegenüber, die Online-Sexualität marginalisierten.

Inzwischen geht der Trend dahin, sexualbezogene Netzaktivitäten in ihren facettenreichen Erscheinungsformen und Funktionen differenziert zu betrachten. Denn diese umfassen ein breites Spektrum ganz unterschiedlicher Nutzungweisen: Rezeption von Aufklärungs- und Informationsseiten, Meinungs- und Erfahrungsaustausch, Abruf erotischer und pornografischen Darstellungen und die eigene Publikation solcher, Inanspruchnahme professioneller Online-Beratung zu sexuellen Fragen sowie dezidiert sexuelle Interaktion („Cybersex“) im Netz. Im Vortrag werden diese verschiedenen Arten von Online-Sexualität aus psychologischer Perspektive expliziert, anhand von Beispielen erläutert und empirische Ergebnisse vorgestellt, die den Schluss erlauben, dass nicht das Internet als Technologie bestimmte konstruktive oder destruktive Effekte beim sexualbezogenen Gebrauch erzeugt, sondern vielmehr eine Reihe anderer Randbedingungen darüber entscheiden, welchen Einfluss dieser auf das Verhalten und Erleben des Individuums hat.

Durch die Mediatisierung ist der Gesellschaft ist davon auszugehen, dass das Klientel in psychosozialen Praxen zunehmend mehr über (auch sexualbezogene) Interneterfahrung verfügt, so dass für professionelle Helfer wichtig ist, die netzspezifischen Besonderheiten potenziell resultierender Probleme zu kennen, um ihnen informiert und angemessen begegnen zu können. Darüber hinaus sollten Pratiker aber auch um die sexuell konstruktiven Einsatzweisen des Internet wissen, um Ratsuchende darauf hinweisen bzw. in ihr interventives Repertoire einbinden zu können im Sinne der Ausschöpfung netzbasiert-sexualtherapeutischer Möglichkeiten.

 

Basisliteratur:

Cooper, A. (Ed.) (2002). Sex and the Internet: A Guidebook for Clinicans. Philadelphia, PA: Brunner-Routledge.

Döring, N. (2003). Sex im Internet: (k)ein Thema für die Klinische Psychologie? In R. Ott & C. Eichenberg (Hrsg.). Klinische Psychologie und Internet. Potenziale für klinische Praxis, Intervention, Psychotherapie und Forschung (S. 271-291). Göttingen: Hogrefe.

Eichenberg, C. (2001). Umgang mit sexuellen Probleme im Internet: Informations-, Beratungs- und Selbsthilfemöglichkeiten für Betroffene. Psychotherapie im Dialog, 2, 3, 367-374.

 


 


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